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Der e-Bürgerbus

Ein Mobilitätskonzept wird elektrisch

Unter einem e-Bürgerbus wird ein elektrisch betriebener Bürgerbus verstanden, bei dem statt eines Verbrennungsmotors ein Elektromotor für den Antrieb des Minibusses eingesetzt wird. Dabei handelt es sich um ein Mobilitätskonzept, das als Minibus in der Gewichtsklasse 3,5 Tonnen so noch nicht realisiert wurde und derzeit in Deutschland erforscht wird.

Wesen des Mobilitätskonzepts
Im ländlichen Raum ist eine engmaschige Versorgung durch den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) oftmals nicht flächendeckend rentabel. Bürgerbusse bieten das Potenzial, das Angebot im ÖPNV insbesondere in kleinen Gemeinden, wo Regionalbusse häufig nur 1 bis 2 Haltestellen haben, partnerschaftlich zu ergänzen. Bürgerbusse können Lücken im Angebot des ÖPNV schließen, da sie von gemeinnützigen Vereinen betrieben werden und die Bürger vor Ort sich als Fahrer ehrenamtlich engagieren. In der Regel fahren die Bürgerbusse eine feste Linie mit dichtem Haltestellennetz, so dass die Bürger möglichst nicht mehr als 200 Meter von/zu einer Haltestelle zurücklegen müssen. Dadurch erlaubt der Bürgerbusverein insbesondere mobilitätseingeschränkten Bürgern eine aktivere Teilnahme am Gemeindeleben (bspw. durch das Erledigen von Besorgungen und Arztbesuche). Wie bei herkömmlichen Bürgerbussen werden auch e-Bürgerbusse durch ehrenamtlich tätige Mitglieder von Bürgerbusvereinen, den Bürgern vor Ort, betrieben. Als Fahrzeuge werden Minibusse mit bis zu acht Fahrgastsitzen (plus Fahrer) und einem maximal zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen eingesetzt; so können die e-Bürgerbusse mit einem Führerschein Klasse B sowie einem Personenbeförderungsschein von den ehrenamtlichen Fahrern gefahren werden.

Dabei bietet insbesondere die typischerweise vorherrschende Kilometerleistung eines Bürgerbusses von ca. 80 – 120 Kilometer pro Tag ein optimales Einsatzszenario: diese Reichweite kann heute bereits mit elektrisch betriebenen Minibussen erreicht werden – insbesondere wenn der Fahrzeugstillstand während einer Fahrerpause um die Mittagszeit für die Wiederaufladung der Batterie genutzt wird.

Erprobung und Evaluation des Mobilitätskonzepts im LivingLab BWe mobil
Da ein solches eFahrzeug als Bürgerbus bislang noch nicht eingesetzt wurde, bedarf es einer Erprobung unter realistischen Bedingungen unter Berücksichtigung örtlicher Besonderheiten wie Topografie und Witterung (bspw. im badenwürttembergischen Voralbgebiet). Dazu werden im Zuge der e-Bürgerbusprojekte des LivingLab BWe mobil elektrisch betriebene Minibusse angeschafft und aufgrund der Anforderungen des konzessionierten Linienbetriebs durch Spezialanbieter zusätzlich umgerüstet. In Abhängigkeit der geplanten Linienverläufe wird die Ladeinfrastruktur in den Orten installiert und in diesem Einsatzszenario evaluiert. Gleichberechtigt zu bestehenden Angeboten des ÖPNV wird darüber hinaus die Anbindung der e-Bürgerbuslinien an bestehende Strukturen zur Anschlusssicherung und die Ermöglichung intermodaler Reiseketten in den Projekten getestet.

Unterstützung aktiver Bürgerpartizipation durch Wiki
Um sowohl bestehende Bürgerbusvereine als auch Interessierte am Bürgerbusgedanken zu unterstützen und Informationen über Einrichtung und Betrieb von e-Bürgerbussen und e-Bürgerbusvereinen bereitzustellen, wurde das e-Bürgerbus-Wiki implementiert. Der Idee des bekanntesten Wikis, der Wikipedia folgend, kann hier jedermann Wissen abrufen sowie online Beiträge zu Themen rund um konventionell aber insbesondere elektrisch betriebene Bürgerbusse einstellen und bestehende Artikel anpassen oder verbessern.

Diese Kommunikationsplattform soll dabei erste Anlaufstelle für alle am Thema Bürgerbus Interessierten sein und die Verbreitung des Bürgerbusgedankens sowie das Wissen über geeignete Antriebskonzepte (elektrisch, hybrid, Erdgas, Diesel etc.) fördern.

Sowohl das e-Bürgerbusprojekt als auch das Bürgerbus-Wiki sind Bestandteil des Schaufensters Elektromobilität Baden-Württemberg LivingLab BWe mobil. Für das Gesamtprogramm stellen das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi), das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS), das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Fördermittel bereit.

Weitere Informationen finden Sie unter
⇢ www.livinglab-bwe.de, ⇢ www.e-buergerbus.de sowie ⇢ wiki.livinglab-bwe.de

Benedikt Krams
Universität Stuttgart

Prof. Dr. Harry Dobeschinsky
VWI Verkehrswissenschaftliches Institut Stuttgart GmbH

Dr. Andreas Helferich
highQ Professional Services GmbH

Veröffentlicht am 25. April 2013