Alea iacta est

»Der Wür­fel ist gefall­en.« So lautet die tra­di­tionelle deutsche Über­set­zung aus den Aster­ix-Comics, die dem Sprich­wort allerd­ings eine falsche Bedeu­tung gibt. Beim Teu­tates. Ursprünglich ging es bei der Aus­sage Cäsars im Jan­u­ar 49 v. Chr. darum, die Sit­u­a­tion der Über­schre­itung des Gren­zflusses Rubikon nördlich vom heuti­gen Rim­i­ni zu beschreiben, was unwider­ru­flich den Bürg­erkrieg gegen Pom­peius bedeutete. 
»Der Wür­fel ist gewor­fen« im Sinne von »Das Wag­nis ist einge­gan­gen« rief Cäsar und zitierte damit ein weit ver­bre­it­etes griechis­ches Sprich­wort aus Menan­ders Komödie Arrhep­horos, die den Augen­blick ein­er Entschei­dung beschreibt, in der man beschließt zu han­deln, die Wür­fel zu wer­fen, diese aber noch nicht zu Boden gefall­en sind. Der Menan­dervers lautet voll­ständig: Beschlossen ist die Sache; aufge­wor­fen sei der Würfel.
Diese Fehlin­ter­pre­ta­tion hat jedoch auch Vorteile; offen­bart doch die Imp­lika­tion von Absicht und Entschei­dung eine logis­che Verknüp­fung zur tat­säch­lichen Umset­zung. So sind die Wür­fel der Elek­tro­mo­bil­ität bere­its vor langer Zeit gewor­fen wor­den und wir sind uns, ins­beson­dere nach den Erfahrun­gen der IAA nun sich­er, dass dem Wurf auch konkrete Maß­nah­men fol­gen werden.
Allerd­ings sollte man bedenken, dass Wern­er Siemens bere­its 1866 mit der Ent­deck­ung des elek­tro­dy­namis­chen Prinzips den Grund­stein für den Elek­troantrieb legte und 1881 Gus­tave Trou­vé den emo­bilen Wür­fel mit 12 km/h erst­mals »gewor­fen« hat. Ihm fol­gten 1899 La Jamais Con­tente von Camille Jenatzy mit der Reko­rd­marke von über 105 km/h, 1900 der Lohn­er-Porsche, 1908 der Mer­cedes Elec­trique, 1912 die Deutsche Bahn mit der Ein­führung des 16,7‑Hz-Bahnstrombetriebs in Deutsch­land, 1941 der Peu­geot VLV, der Nis­san Tama im Jahre 1947, 1969 der BMW 1602 und der Mer­cedes Elek­trobus 1972, um nur einige his­torische Momente zu erwäh­nen. Viele weit­ere fol­gten bis heute.
Die Ölkrise Anfang der 70er Jahre dauerte wohl nicht lang genug und in den 90ern wurde der EV1 von Gen­er­al Motors in der Wüste ver­schrot­tet. Der Anreiz der Geset­zge­bung zur Emis­sion­ssenkung wurde damals gekippt. Das hat­te natür­lich nichts damit zu tun, dass die post­fos­sile Tech­nolo­gie bis auf weit­eres aufgegeben wurde. Die Par­al­lele zur derzeit­i­gen Diskus­sion über die CO2-Gren­zw­erte, die in der Europäis­chen Union ins­beson­dere auf deutschen Wider­stand gestoßen ist, hat eben­falls kein­er­lei Auswirkun­gen auf die Entwick­lungs­geschwindigkeit und Durch­set­zung der Elektromobilität.
Natür­lich nicht..
Als Cäsar, Wern­er Siemens, Gus­tave und seine zahlre­ichen emo­bilen Pio­niere die Wür­fel ins Rollen bracht­en, hat­ten sie eine klare Vorstel­lung von dem, was sie erwartete. Sie haben beschlossen zu han­deln und mit entsprechen­den Kon­se­quen­zen gerech­net. Sie haben die Welt mit Erken­nt­nis­sen und tech­nol­o­gis­chem Fortschritt bere­ichert und uns damit die Möglichkeit gegeben, Mobil­ität und Energie mit Nach­haltigkeit, Ressourcenef­fizienz sowie Kli­ma- und Umweltschutz in Ein­klang zu bringen.
Toll. Allerd­ings reicht es nicht, die Wür­fel nur zu wer­fen. Die Absicht dahin­ter muss auch gegen Wider­stände ander­er Inter­essen vertei­digt wer­den; sie muss sich durch­set­zen. Denn die Idee ist beim Wurf zwar klar, nicht aber die tat­säch­liche Umset­zung, was uns die über 130-jährige Geschichte der Elek­tro­mo­bil­ität ja ein­drucksvoll aufzeigt.
Zusam­menge­fasst bedeutet die his­torische Analo­gie, dass die Vielzahl elek­tro­mo­bil­er Vor­re­it­er, die sich heute aufgestellt haben, um eine Neue Mobil­ität Real­ität wer­den zu lassen, sich nicht auf ihren ersten Erfol­gen aus­ruhen dür­fen. Nur zu sta­tu­ieren, wir wären Leit­markt und Lei­tan­bi­eter, ist genau­so falsch, wie die Über­set­zung, der Wür­fel sei bere­its gefall­en. Nein. Das ist er noch nicht.
Er ist auf einem guten Weg. Zugegeben. Aber seine Flug­bahn soll­ten wir schon weit­er­hin ganz genau beobacht­en und gegebe­nen­falls auch kor­rigieren, die Bahn freiräu­men und aktiv darauf hin­wirken, dass sich die Welt der Mobil­ität endlich so entwick­elt, wie wir uns das vorstellen.
Die Zeit scheint nun wirk­lich reif für die Idee emis­sion­sarmer Antrieb­sarten auf Basis Erneuer­bar­er Energien und für ein generelles Umdenken in Bezug auf unser Energie- und Mobil­itätsver­hal­ten. Am besten lässt sich so eine Flug­bahn im übri­gen durch poli­tis­che Rah­menbe­din­gun­gen bee­in­flussen. Inter­es­sant und hoff­nungsvoll ist an dieser Stelle, dass unsere Bonus-Malus-Idee ein­er CO2-abhängi­gen Kfz-Steuer­reform in Poli­tik und Medi­en zunehmend disku­tiert und gefordert wird. Dies ist aber nur ein Schlüs­sel in einem eigen­dy­namis­chen Maß­nah­men­paket. Gern klären wir Sie über weit­ere auf..
In diesem Sinne, wün­sche ich unseren Lesern eine Regierungskoali­tion, die sich dem The­ma aktiv annimmt und eine erfol­gre­iche eCarTec, die Ihnen erneut zeigt, dass der Wür­fel den Rubikon bere­its über­schrit­ten hat.
Edi­to­r­i­al von Chris­t­ian Heep, Vor­stand Mar­ket­ing im Bun­desver­band eMo­bil­ität und Chefredak­teur der NEUEN MOBILITÄT / Aus­gabe 13 / Okto­ber 2013

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