BEM | Bundesverband eMobilität e.V.

Wir bewegen..


Jetzt erfolgreich justieren

Der 22. September 2013 könnte in der Geschichtsschreibung zum Wendepunkt der Elektromobilität werden. An dem Tag wurde sowohl eine (fast) neue Bundesregierung gewählt als auch die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt am Main beendet. Das bedeutet auf der einen Seite, dass die Zeit des Wahlkampfes nun endlich vorbei ist und auf Regierungsebene wieder “richtig” gearbeitet werden kann. Vor diesem Hintergrund könnten sogar unpopuläre Entscheidungen endlich wieder durchgesetzt werden. Auf der anderen Seite haben die deutschen Automobilhersteller in Frankfurt endlich eigene Serien-Elektroautos vorgestellt, die zum Teil seit diesem Herbst auf dem deutschen Markt verfügbar sind. Das verändert die Diskussionsgrundlage über mögliche Kaufanreiz-Förderungen wesentlich.

Andere Länder machen vor, wie es gehen kann. Lassen Sie uns nur einen Blick auf Kalifornien werfen – das Heimatland des Elektroauto-Überfliegers Tesla. Dort gibt es bereits seit Jahren zahlreiche Anreize seitens der Politik, ein Elektroauto zu kaufen: darunter auch direkte Kaufzuschüsse für deren Anschaffung. Außerdem schreibt die kalifornische Regierung den Automobilherstellern vor, ihren Anteil an emissionsfreien Fahrzeugen sukzessive zu erhöhen. Das hat zur Folge, dass Hybrid- und Elektrofahrzeuge dort bereits heute einen sichtbaren Anteil am Automarkt ausmachen.

Der Ansatz der Bundesregierung war bis dato ein gänzlich anderer. Auch hier wurde unterstützt und gefördert. Doch im Gegensatz zu Kalifornien standen dabei primär die etablierten Automobilhersteller im Fokus und nicht die innovativen Start-Ups oder mittelständischen Ideen-Schmieden. In Deutschland gibt es eine erfolgreich agierende Autoindustrie, an deren Bedürfnissen sich die Politik nur zu gern orientiert. Dabei wird oft vergessen, dass echte Umbrüche – die wir dringend benötigen, um überhaupt Anschluss an den wachsenden eMobilitäts-Markt zu bekommen – in der Regel nur mit Hilfe neuer Strukturen und Unternehmen zustande kommen. Leitanbieter oder gar Leitmarkt werden wir voraussichtlich nicht, wenn einfach nur alles beim Alten bleibt.

Spätestens wenn die Herren Zetsche, Reithofer und Winterkorn im Vorfeld der Markteinführung ihrer Elektroautos in den nächsten Monaten nach Kaufanreiz-Förderungen rufen, werden diese Wohl auch in Deutschland kommen. Damit innovative Ideen und neue Unternehmen im Umfeld der Neuen Mobilität nicht auf der Strecke bleiben, sollten wir es dabei jedoch nicht belassen. Sehr viel weitreichendere Maßnahmenpakete für eine Bandbreite an Akteuren entlang der gesamten Wertschöpfungskette sollten hier initiiert werden. Die Autonation Deutschland hat jetzt die Chance, hier erfolgreich zu justieren und neue Wege einzuschlagen.

Kurt Sigl, Präsident Bundesverband eMobilität e.V.