BEM | Bundesverband eMobilität e.V.

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Braucht die Politik Nachhilfe?

Die Entscheidung im bayerischen Landtag, künftig lieber weiter auf CO2-Schleudern im eigenen Fuhrpark zu setzen, wurde im April zum traurigen Beispiel für die Unwissenheit vieler Politiker in Sachen Elektromobilität. Die Opposition wollte mehr Elektroautos und CO2-ärmere Fahrzeuge durchsetzen. Die CSU wies den Antrag mit der haarsträubenden Begründung zurück, dass viele Elektrofahrzeuge und Hybridfahrzeuge hinsichtlich Leistung, Komfort und Sicherheit noch nicht mit herkömmlichen Autos vergleichbar seien.

Die Absage ist in vielerlei Hinsicht nicht nachvollziehbar. So bezog sich die Forderung nicht nur auf die zwölf Oberklasse-Limousinen der Minister, die der bayerischen Staatsregierung im aktuellen Dienstwagen-Check der Deutschen Umwelthilfe den letzten Platz einbrachten, sondern auch auf immerhin 12.000 Dienstfahrzeuge des Freistaates Bayern, von denen ein Großteil auf Basis der Fahrprofile problemlos elektrifiziert werden könnte. Beispiele für die erfolgreiche Integration von Elektrofahrzeugen in größeren Fuhrparks gibt es bundesweit zu genüge. Und auch im Sinne von Klima- und Umweltschutzmaßnahmen ist die Entscheidung fragwürdig und offenbart, wie wenig ernsthaft die bayerische Landesregierung mit dieser Thematik umzugehen gedenkt.

Sollte die Entscheidung der bayerischen Landesregierung also tatsächlich Ausdruck einer allgemein herrschenden Unwissenheit der Politiker sein, sollte diese Bildungslücke dringend geschlossen werden. Gerne bieten wir vom Bundesverband eMobilität fachkundige Nachhilfe an. Sollten sich die betreffenden Akteure aber absichtlich dumm stellen, um einer zukunftsweisenden Technologie vorsätzlich im Weg zu stehen, wäre das fatal. Nicht nur für die Reputation der Politiker, sondern vor allem auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Der uns bevorstehende Systemwechsel birgt enorme Chancen. Diese können wir langfristig aber nur dann erfolgreich nutzen, wenn wir jetzt aktiv agieren. Gerade vor dem Hintergrund ausländischer Konkurrenten können wir uns zum jetzigen Zeitpunkt keine reaktionäre Vogel-Strauß-Taktik mehr erlauben, wenn wir am Standort Deutschland künftig wirtschaftlich vom Zukunftsmarkt Elektromobilität profitieren wollen. Denn insbesondere bei der Schaffung und dem Erhalt von Arbeitsplätzen und heimischer Wertschöpfung bietet die Neue Mobilität enorme Wachstumspotenziale.

Das derzeitige Zögern von Bund und Ländern führt zu einer verstärkten Verunsicherung potentieller Käufer. Hier muss auf politischer Ebene zwingend mehr getan werden – sowohl bei der Beschaffung von emissionsarmen Fahrzeugen für den eigenen Fuhrpark als auch in der Kommunikation nach außen. Sinnvoll wäre außerdem in einem nächsten Schritt die Einführung einer Steuererleichterung für Gewerbetreibende, die ein Elektrofahrzeug anschaffen wollen. Die Bundesregierung lehnt das bis dato ab. Ob aus Unwissenheit oder um das Thema zu blockieren, bleibt zu klären..

Kurt Sigl, Präsident Bundesverband eMobilität e.V.