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Einstieg für Stadtwerke in die Energieversorgung der Zukunft

Artikel aus der NEUEN MOBILITÄT 02 / Januar 2011
Tim Baack, BEM-Beirat

Stadtwerke stehen vor großen Veränderungen. Dezentrale Erzeugung, Smart Grid, Elektromobilität, Demand Side Management, Renditedruck und die Neuausrichtung vieler Konkurrenten werden Markt, Wettbewerb und Technologie in der Welt der Stadtwerke entscheidend verändern. Elektromobiltät ist ein Teil dieser »neuen Welt« und bietet den Stadtwerken – trotz vieler bestehender technischer, kommerzieller und politischer Unklarheiten – eine große Chance, sich bereits jetzt auf die bevorstehende Neuordnung der Energieversorgung vorzubereiten.

Die zukünftigen Herausforderungen für Stadtwerke sind groß. Die dezentrale Energieerzeugung (vor allem Photovoltaik) und die Elektromobilität werden den Betrieb der Niederspannungsnetze deutlich erschweren. In der Zukunft werden viele Kunden mit Hilfe von Smart-Grid-Anwendungen aktiv gemanaged werden müssen. Die Stadtwerke werden erhebliche Mittel investieren müssen, um diese neue IT-Welt abbilden zu können. Gleichzeitig werden sich neue und alte Wettbewerber intensiv um die Kunden der Stadtwerke bemühen. Die Neuausrichtung der Energieversorgung bietet den Stadtwerken aber auch große Chancen. Sie können auf bereits bestehende Strukturen zurückgreifen und aus ihrem Kerngeschäft – unter Nutzung ihrer existierenden Infrastruktur, Kunden und Ressourcen – in neue Märkte expandieren.

Die Unternehmen befinden sich im Moment in einem Dilemma. Bei steigendem Kostendruck und bei unklarer technischer und politischer Lage sollen sie sich neu ausrichten und umfangreiche Investitionen in neuen Technologien und Strukturen tätigen. Der Handlungsdruck ist groß und die kommerzielle Lage angespannt. Was ist jetzt zu tun?

Elektromobilität ist der ideale Einstieg in die neuen Märkte der Energieversorgung und die Stadtwerke sollten jetzt anfangen den Markt für Elektromobilität in ihren Kommunen zu besetzen. Entgegen vieler Aussagen ist es durchaus möglich, schon jetzt zu überschaubaren Kosten erste marktgerechte Produkte und Leistungen anzubieten bzw. vorzuhalten. So können z.B. leistungsfähige Ladeboxen für die heimische Garage bereits für wenige hundert Euro angeboten werden. Dabei geht es vorrangig darum, jetzt Produkte anzubieten, auch wenn es noch länger dauern wird, bis diese Produkte tatsächlich gekauft werden. Stadtwerke sollten klar kommunizieren, dass sie ihren Kunden als Anbieter für Elektromobilität schon zur Verfügung stehen.

Damit ist es aber nicht getan. Stadtwerke sollten umgehend eine langfristige Strategie zur Besetzung der neuen Märkte entwickeln und ihre Organisation entsprechend aufstellen. Wenn Stadtwerke diese neuen Märkte aktiv gestalten wollen, müssen sie schnell handeln, denn die Konkurrenz steht längst in den Startlöchern. Dabei sollten sie sich auf ihre ureigenen Stärken besinnen und ihre lokale Vertriebsorganisation, den großen Stamm an Haushalts- und Gewerbekunden und ihre Nähe zu den örtlichen Behörden und Interessengruppen nutzen. Stadtwerke wissen besser als jeder andere, wo sich in ihrer Kommune interessante Standorte für Ladesäulen befinden und es ist möglich, solche Standorte bereits heute ohne große Investitionen zu sichern.

Die neuen Märkte basieren auf dem umfangreichen Einsatz von IT. Elektromobilität kann nur in Verbindung mit Smart- Grid-Lösungen wirklich sinnvoll genutzt werden. Solche IT- Lösungen basieren allerdings auf Skaleneffekten, und die meisten Stadtwerke sind wohl zu klein, um entsprechende Ressourcen selber aufzubauen und zu unterhalten. Stadtwerke sollten IT-Themen im Rahmen von Netzwerken oder mit strategischen Partnern umsetzen, sonst werden sie die Produkte der Zukunft nicht zu attraktiven Konditionen anbieten können.

Elektromobilität ermöglicht einen einfachen und populären Einstieg in die neuen Märkte der Energieversorgung und erlaubt es den Stadtwerken bereits jetzt, anhand von konkreten Produkten, die Neuordnung der Energieversorgung vorzubereiten.

Tim Baack, E-Mobility Partners GmbH
www.empartners.de

Veröffentlicht am 09. Januar 2011