Nagelprobe: Heterogene Fahrzeugflotte in einer Urlaubsregion

Bundesverband eMobilität e.V.

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Nagelprobe: Heterogene Fahrzeugflotte in einer Urlaubsregion

eE-Tour Allgäu ist eines von fünf Projekten, das das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie in seinem Programm „IKT für Elektromobilität“ seit Sommer 2009 mit 47 Mio. Euro fördert. Daneben gibt es noch acht Projekte, in die im Rahmen des Förderschwerpunkts „Elektromobilität in Modellregionen“ 115 Millionen aus dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung fließen.
Der Schwerpunkt des Elektromobilitätsprojektes im grünen Land der glücklichen Kühe liegt auf touristischen Angeboten: Gästehäuser und Hotels bieten heute schon ein Netz von Verleih- und Akkuwechselstationen für Fahrräder mit Elektrounterstützung, und so soll künftig eine heterogene eFahrzeugflotte im hügeligen Voralpenland ihre Eignung unter Beweis stellen.
Trotz Bundesmitteln fühlen sich die Allgäuer allerdings wenigstens auf Landesebene wenig unterstützt: „Ich vermisse, dass man uns in München wahrnimmt und ernst nimmt“, klagte kürzlich auf einer eE-Tour-Veranstaltung in Kempten Prof. Andreas Rupp von der Hochschule Kempten, Konsortialführer des Projekts.
Stefan Schnorr, Ministerialdirigent im BMWi, versuchte die Gemüter mit der Formel zu beruhigen, die Ansätze müssten miteinander vernetzt, nicht gegeneinander ausgespielt werden. Dabei scheint die Rivalität groß: Derzeit schicken sich vier Bundesländer an, in Sachen Elektromobilität in Deutschland Nummer 1 zu werden: Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Thüringen.

Noch unbequem
Thomas Einsiedler von Solo-plan legte den Finger in die Wunde Reichweite, wo den strombetriebenen Gefährten heute der gewohnte „Bequemlichkeitsfaktor“ fehle. Das Unternehmen arbeitet daher an intelligenten Routing-Algorithmen. ADAC-Sprecher Alexander Kreipl machte deutlich, dass der Verband die Entwicklung fachlich begleite, auch wenn er beim Ziel von einer Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen im Jahr 2020 skeptisch sei. „Ist der Endverbraucher bereit?“ fragte Kreipl. Die Euphorie sei zwar da, groß aber auch die Gefahr, dass sie abebbe.

E-Porsche von Ruf
Alois Ruf outete sich mit zwei Leidenschaften: Autos und Elektrizität – womit der Chef des Porsche-Veredlers Ruf Automobile darauf anspielte, dass die Familie schon seit Jahrzehnten Wasserkraftwerke betreibt. Der Allgäuer „Mechler“ (Bastler) habe sich ursprünglich als Außenseiter gesehen und die ersten Elektrofahrzeuge heimlich gebaut – um so mehr freue er sich heute über jeden, der mitmache. Und das könnten noch ein paar mehr sein, schließlich gebe es in Bayern heute gerade mal 327 zugelassene Elektroautos. Ruf sieht darin den Schlüssel bei der Lösung des Henne-Ei-Problems: „Wenn wir Elektroautos auf der Straße haben, ergibt sich alles andere“.

Schnellstarter
Frank Müller, Geschäftsführer des Bundesverbands eMobilität, warb dafür, dass die „gigantischen Summen“, die heute in Öl und Gas gehen, lieber im Land bleiben sollten. Sein Glaube an den Spaßfaktor der stromgetriebenen Fahrzeuge ist groß: „Wenn die Leute in Benzinautos merken, dass sie beim Losfahren an der Ampel die letzten sind, wird der Umschwung gelingen“.
Wenigstens beim Kanzlergipfel im Mai muss die von den Elektroflitzern verursachte positive Stimmung fühlbar gewesen sein. „Da waren alle gut drauf“, berichtete Michael Lucke, Geschäftsführer der AÜW (Allgäuer Überlandwerk GmbH), die das eE-Tour-Projekt unterstützt.(kklo)

Quelle: energy2.0