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    Gedankenspiel

    »Oh Gott, Ich könnte in einer Nussschale eingesperrt sein und mich für einen König von unermesslichem Gebiete halten..« (Hamlet, 2. Aufzug, 2. Szene), wenn nur meine bösen Träume nicht wären. So beschreibt Stephen Hawking mit Shakespeares Worten sein Universum mit einem philosophischen Ansatz und ist dabei sehr erfolgreich. Insbesondere schafft er es, komplexe Zusammenhänge zu veranschaulichen und einem großen Publikum zugänglich zu machen.

    Wir haben auch einen Traum. Ein Traum, wie ihn vor 50 Jahren auch Dr. Martin Luther King Jr. gehabt haben muss, als er am Lincoln Memorial bei der Rede zum Marsch auf Washington Geschichte schrieb. Eine Geschichte, die seit dem Generationen inspiriert hat und in seiner ethischen und moralischen Konsequenz für viele denkbare Gedankenspiele eine Blaupause aufzeigt.

    Immer wieder, wenn konstruktive Theorien, neue Entwicklung und technologischer Fortschritt auf tradierte Strukturen treffen, formiert sich protektionistischer Widerstand. Das ist einerseits durchaus verständlich und nachvollziehbar, gleichzeitig wirkt es sich aber durch den Verzögerungseffekt bremsend aus.

    Aus diesem Dilemma einen Ausweg zu finden, ist Grundlage von Träumen, Protesten, Demonstrationen und Bewegungen, die einen Kontrapunkt setzen wollen, um diesen Ideen einen Raum zu geben. Im besten Fall agieren solche Lobbyorganisationen so intelligent, dass sie es schaffen die vermeintlichen Gegenspieler mitzunehmen und durch Synergie, Erkenntnis und Notwendigkeit einen Schulterschluss zu ermöglichen.

    Hilfreich ist dabei die Erkenntnis, dass eine Idee, deren Zeit gekommen ist, sich nicht dauerhaft aufhalten lässt. Sie lässt sich allerdings erheblich beschleunigen. Und das ist genau das, was unsere Arbeit treffend beschreibt. Eine Überzeugungsarbeit, die lediglich Zeit, Vorreiter und vor allem eine wachsende Begeisterung durch eine breite gesellschafts-politische Unterstützung voraussetzt.

    Naheliegend ist in diesem Kontext auch die Erkenntnis, dass man sich diese Zeit erkaufen muss, bzw. dass der finanzielle Spielraum Durchhaltevermögen und Intensität der Bemühungen in einen Kontext zu einem erfolgreichem Engagement setzt: Die Bereitstellung einer entsprechenden Kapitalausstattung, so wie man eine junge Pflanze von Zeit zu Zeit giessen sollte..

    Aus diesem Grund erfährt das Ziel einer emissionsarmen, CO2-neutralen Mobilität auf Basis Erneuerbarer Energien, ressourcenschonend, nachhaltigen, sauber und leise nur dann zeitnah eine Umsetzung, wenn wir es gemeinsam schaffen einerseits industriepolitische Interessen zu synchronisieren und andererseits, wenn wir uns mit medialer und politischer Sichtbarkeit als umsetzungsfähiger Pate dieser Neuen Mobilität aufstellen.

    Neben der Aufgabe, die Renaissance der Elektromobilität zu dynamisieren, ist es wichtig sie in einen Gesamtkontext einzuordnen und die damit verbundene Komplexität greifbar zu machen, Chancen und Vorteile beispielhaft und verständlich aufzuzeigen und Herausforderungen lösungsorientiert zu beleuchten. Es gilt, die Idee einer Neuen Mobilität im Kontext der Erneuerbaren Energien, der Energiewende und dem SmartGrid zu betrachten und die Möglichkeiten für Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz, Wertschöpfung sowie Klima- und Umweltschutz zu erkennen.

    Im Zuge dieser Überlegungen wird es Zeit, dass wir uns selbst als entscheidenden und ausschlaggebenden geologischen Faktor im Anthropozän wahrnehmen.
    Naturwissenschaftliche Erkenntnisse, fortschrittliche Technologien und unsere Vernunftbegabung sollten sich weiter durchsetzen, insbesondere gegen die menschliche Systemeigenschaft grenzenlosen Wachstums auf Kosten anderer oder nachfolgender Generationen.

    Idee, Intention und Bereitschaft dazu sind bereits vollumfänglich in unserer Gesellschaft verankert. Die technischen Konzepte stehen auch zur Verfügung. Um weiterer Ignoranz vorzubeugen, fehlt eine neue Positionierung und Wertung unseres ökonomischen und ökologischen Handelns, ein generelles Umdenken und globalpolitische Entscheidungsfindungsprozesse, die ausschließlich dem Prinzip der Nachhaltigkeit und intergenerativen Gerechtigkeit folgen.

    Mit diesen Gedanken wünsche ich Ihnen eine spannende Lektüre, einen schönen Sommer und eine Wahlentscheidung, die zu Ihnen passt..

    Editorial von Christian Heep, Vorstand Marketing im Bundesverband eMobilität und Chefredakteur der NEUEN MOBILITÄT / Ausgabe 12 / Juli 2013

    Veröffentlicht am 21. August 2013