Es bewegt sich was – ganz langsam

Bundesverband eMobilität e.V.

Wir bewegen..

Es bewegt sich was – ganz langsam

Revolution ist ein großes Wort, gerade in Zeiten wie diesen.

Wer es in den Mund nimmt, tut das nicht selten zu dem Zweck, selbige herbeizureden. Beim Elektroauto schien das in den letzten Jahren so. Schon oft wurden die Entwicklungen in der Elektromobilität als Revolution im Bereich menschlicher Fortbewegung tituliert – günstig, umweltfreundlich und unabhängig vom Öl. Doch irgendwie blieb die Revolution immer in den Kinderschuhen stecken, Elektroautos sind bis heute Exoten auf deutschen Straßen. Auf der „eCartec“ in München, der Leitmesse für Elektromobilität, wurde nun wieder zur elektrischen Revolution geblasen, die Aufbruchstimmung nach der proklamierten Energiewende soll ihr diesmal zum Durchbruch verhelfen. Auch in der Region Ingolstadt sind Projekte geplant.

Bei der Elektromobilität habe Bayern die rote Laterne, sagt Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbandes eMobilität. „Die Ausschreibungen zu den bundesweiten Modellregionen hat die Staatsregierung verschlafen“, sagt Sigl. „Und auch die großen Autohersteller waren bisher eher Bremser.“ Audi und BMW würden lieber im stillen Kämmerchen entwickeln, während die Konkurrenz aus Fernost schon Elektroautos auf der Straße habe. Das soll sich jetzt ändern. Gerade auf der Achse München – Ingolstadt – Nürnberg wollen der Verband, das Bayerische Umweltministerium und die bayerischen Autohersteller Elektroautos auf die Straße bringen, wie die Beteiligten auf der „eCarTec“ bekanntgaben. „Geplant ist, die Autobahn zwischen diesen Städten durchgehend mit Ladestationen auszurüsten, oder dass sich Kommunen und Firmen in der Region einen elektrischen Fuhrpark zulegen“, so Helmut Theiler vom Umweltministerium. Bis 2013 will man sich beim Bund um entsprechende Fördermittel bewerben. Sehr konkret erscheinen diese Pläne noch nicht, trotzdem setzt Theiler auf solche „Schaufensterprojekte.“ Sie sollen die Akzeptanz der Elektroautos auch beim Privatkunden fördern.

Auf diese Akzeptanz hofft die Branche. Über 500 Unternehmen präsentierten in der Neuen Messe München ihre Entwicklungen. Der Trend scheint klar: Kombinationen aus Verbrennungs- und Elektromotor, also die Hybridantriebe, taugen nicht mehr zum großen Umbruch. Vollelektrisch soll es in Zukunft über die Straßen gehen, mit neuen Lithium-Batterien und Strom aus der heimischen Steckdose. Der natürlich möglichst aus erneuerbaren Energien stammen soll, denn wie umweltfreundlich und schadstofffrei das Elektroauto tatsächlich ist, liegt vor allem daran, wo der Strom für die Batterie herkommt. Die Lösungen: Der Carport mit Photovoltaik-Dach, die Ladesäule für die Garage, Solarzellen statt Schiebedächer. „In diesen Entwicklungen liegt die Zukunft“, sagt Kurt Sigl. Tagsüber fahren, nachts in der eigenen Garage den Akku aufladen. Dass bei den meisten Elektroautos auf der Messe bei einer Reichweite von 150 Kilometern Schluss ist, stört dabei nicht, glaubt Sigl. „Der durchschnittliche Autofahrer fährt 20 bis 60 Kilometer am Tag. Das ist für Elektroautos optimal.“ Immerhin könne man mit eigener Ladestation und den neuartigen Batterien bis zu 12 000 Kilometer im Jahr fahren.

Wer an die große, elektrische Revolution auf unseren Straßen immer noch nicht glauben mag, für den geht es auch eine Nummer kleiner. Ein tschechischer Hersteller etwa, präsentierte auf der „eCarTec“ ein praktisches Umbauset, mit dem jeder sein ganz gewöhnliches Fahrrad zum eBike umrüsten kann. Der Motor kommt ans Vorderrad, die Batterie samt Ladestation auf den Gepäckträger. Danach ist das Rad zwar zwei Kilo schwerer, fährt dafür aber elektrisch. Revolutionen fangen manchmal eben klein an.

Von Michael Bartmann

Quelle: Donaukurier