In der Elektromobilität liegt die Zukunft, davon ist Reinhard Stück überzeugt. Der Nürtinger Unternehmensberater leitet zusammen mit Monika Lauer, der ehemaligen Wirtschaftsförderin in Nürtingen, seit Kurzem die Landesvertretung Baden-Württemberg des Bundesverbands eMobilität. Ihr Ziel: Das Thema den Menschen näherbringen.
VON HENRIK SAUER
NÜRTINGEN. Die eMobilität in die Fläche zu tragen, hat man sich bei dem 2009 gegründeten Bundesverband auf die Fahnen geschrieben. Nach Landesvertretungen in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Hessen und in Mitteldeutschland gibt es seit wenigen Wochen auch im Ländle eine Vertretung. „Wir sind kein Verband der Autoindustrie, sondern ein Mobilitätsverband“, betont Reinhard Stück, der die Landesvertretung zusammen mit Monika Lauer ehrenamtlich leitet. Der Bundesverband hat inzwischen rund 200 Mitglieder, mit steigender Tendenz.
Einrichtung eines eMobilitätszentrums geplant
Der Verband will eine Plattform sein für möglichst viele Akteure, die sich auf dem Gebiet der eMobilität engagieren. „Viele Firmen stehen am Sprung zur eMobilität und fragen sich, wie kann ich mich einbringen“, sagt Monika Lauer. Elektromobilität sei viel mehr als nur eine Batterie und ein Elektromotor: „Das reicht von der Energieerzeugung über den Betrieb einer Ladestation bis hin zu Vertriebsmodellen oder Fragen der Entsorgung.“ Man richte sich gezielt an kleine und mittlere Firmen und unterstütze sie zum Beispiel bei der Vermarktung. Auch die Vernetzung sei ein ganz wesentlicher Aspekt. „Kleine Firmen allein können diese Lobbyarbeit nicht leisten“, weiß Monika Lauer.
Denn eines ist für die beiden klar: Ein Erfolg wird die eMobilität nur, wenn es sich für die Firmen kommerziell lohnt. Ihnen schwebt deshalb die Einrichtung eines eMobilitätszentrums vor, so zumindest die vorläufige Bezeichnung. Firmen sollen sich dort präsentieren können und Bürger sich informieren. „Die eMobilität soll erkennbar, erfahrbar und erlebbar sein“, formuliert es Reinhard Stück. Aber auch Platz für Vorträge, Präsentationen oder Schulungen rund um dieses Thema soll dort sein. „Es geht um die Gesamtheit des Themas. Mitarbeiter von Werkstätten zum Beispiel brauchen bei Elektrofahrzeugen ganz neue Kenntnisse“, so Monika Lauer. „Das ist unser erklärtes Ziel für Baden-Württemberg, ein solches Zentrum zu schaffen“, sagt Reinhard Stück: „Es wäre ein Pilotprojekt, damit wären wir Trendsetter.“
Bezüglich eines Standorts für das Elektromobilitätszentrum sei man derzeit in Gesprächen mit Kirchheim und Neckarsulm. „Von dort gibt es Signale, dass man erkannt hat, dass einer Kommune bei der eMobilität eine wichtige Rolle als Triebfeder zukommt“, sagt Reinhard Stück: „Mit ihrer Bereitschaft, sich zu engagieren, steht und fällt das Thema.“ Von der Förderung der dezentralen Energieversorgung bis hin zur Umrüstung der kommunalen Fahrzeuge als Vorbild – für Kommunen gebe es hier viele Gestaltungsmöglichkeiten.
Auch Nürtingen käme als Standort für solch ein Zentrum durchaus in Frage, sagt Monika Lauer. Es gibt die HfWU mit ihrem Institut für Automobilwirtschaft (dessen Leiter Willi Diez seit Kurzem Mitglied im Projekt-Rat für das Schaufenster Elektromobilität in Baden-Württemberg ist) oder die Stadtwerke, die im Bereich eMobilität bereits aktiv sind. Und es gibt einige innovative Firmen im näheren Umkreis, die sich mit Erneuerbaren Energien oder eMobilität beschäftigen.
Überzeugungsarbeit steht bei Monika Lauer und Reinhard Stück momentan an oberster Stelle ihrer Tätigkeit. „Manche Bürgermeister sind offen, aber noch abwartend. Da gilt es noch, eine kritische Masse zu überwinden“, berichtet Reinhard Stück. Auch mit zahlreichen Firmen sind sie im Gespräch. Man hofft, ein bis zwei Zugpferde an Unternehmen für das eMobilitätszentrum zu gewinnen, damit andere nachziehen. Denn natürlich müsse dort auch etwas los sein, damit es wahrgenommen wird. „Das braucht Zeit“, ist sich Reinhard Stück bewusst. Ihm schwebt vor, idealerweise noch dieses Jahr mit einem solchen Zentrum an den Start gehen zu können.
Der 54-jährige Reinhard Stück hat als Unternehmensberater einen seiner Schwerpunkte in Fördermitteln für kleine und mittelständische Unternehmen. Unter anderem ist er Vorsitzender des Vereins Fördermittelcafé, der seinen Sitz in Reutlingen hat. Über dieses Thema kam der Kontakt zum Bundesverband E-Mobilität zustande und schließlich von dort die Anfrage, eine Landesvertretung zu gründen. „Ich wollte das aber nicht alleine machen“, so Stück. Er tat sich mit Monika Lauer zusammen, die nach ihrer Tätigkeit als Wirtschaftsförderin der Stadt Nürtingen sich als Beraterin für steueroptimierte Altersvorsorge für Unternehmer und leitende Angestellte selbständig gemacht hat. Auch sie ist von der Zukunft des Themas eMobilität überzeugt: „Das möchte ich gerne aktiv mitgestalten.“
Momentan sei es noch so, dass bei der Diskussion über Elektromobilität meist die Rede davon sei, was alles noch nicht gehe und wo es hakt, so Reinhard Stück: „Wir wollen dagegen zeigen, was bereits geht, und dass diese Technologie Spaß macht.“









