4,5 Millionen Elektroautos sind realistisch

Bundesverband eMobilität e.V.

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4,5 Millionen Elektroautos sind realistisch

Interview mit Christian Heep, Marketingvorstand des Bundesverbands eMobilität, über das Potential von Elektroautos, die Lade-Infrastruktur und den Stellenwert von Berlin.

Kritische Experten schätzen, dass die Wende zur Elektromobilität erst in etwa zehn Jahren Realität sein wird. Was sagen Sie zu solchen Prognosen?
Wenn alle relevanten Player die Potenziale der Elektromobilität erkennen und entsprechend handeln, dann ginge das wesentlich schneller. Wir vom Bundesverband eMobilität gehen bis 2020 von ambitionierten, aber durchaus realistischen 4,5 Millionen Elektrofahrzeugen auf deutschen Straßen aus. Elektromobilität ist bereits jetzt alltagstauglich, das beweisen die erhältlichen elektrischen Serienfahrzeuge, die allerdings in nennenswerten Stückzahlen wohl erst ab 2012 in Erscheinung treten. Das Zeitalter der Elektromobilität hat begonnen und ist auf dem Weg zu einem erkennbaren und respektablen Markt, der über typische Branchengrenzen hinaus zusammenwächst und die Phase der Sondierung längst überwunden hat.

Wie gut ist die Ladeinfrastruktur für ein Elektroauto heute?
Da heute und in nächster Zukunft vor allem zu Hause und am Arbeitsplatz geladen wird, sollten in einem ersten Schritt auf unternehmenseigenen Parkplätzen Lademöglichkeiten geschaffen werden. Im Privatbereich funktioniert das Laden eines Elektroautos problemlos in der Garage über die normale Haushaltssteckdose – sofern man eine Garage hat. Das ist in Städten häufig nicht der Fall. Deshalb ist im urbanen Raum die Politik gefragt, die entsprechenden Rahmenbedingungen für die so genannten Laternenparker zu schaffen. Um den Early Adopters in den Großstädten das Laden zu Hause zu ermöglichen, bedarf es keiner flächendeckenden Ladesäulen-Infrastruktur, sondern zielgerichteter, punktueller Maßnahmen. Denkbar wäre zum Beispiel ein eMobilitätspaket, welches beim Kauf eines Elektroautos auch die notwendige Lademöglichkeit inkludiert. Für «Zwischendurch» bieten auch Parkhäuser oder Parkflächen vor Einkaufszentren oder Supermärkten teilweise gute Lademöglichkeiten. Hier wäre es wünschenswert, wenn die Betreiber investieren, um einen Anreiz für heutige und zukünftige Elektroautofahrer zu bieten.

Welchen internationalen Stellenwert hat die deutsche Bundeshauptstadt Berlin als Vorreiter im Bereich Elektromobilität?
In Berlin passiert bereits viel im Bereich der Elektromobilität. Im internationalen Vergleich wird jedoch deutlich, dass das Engagement noch ausbaufähig ist. Metropolen wie Shanghai, Oslo, Amsterdam, London und Stockholm setzen verstärkt auf städtische Elektrofahrzeugflotten, Kaufanreizförderungen für Elektroautos sowie sogar auf künftige Einfuhrbeschränkungen für konventionelle Fahrzeuge im Innenstadtbereich. Hier ist aber nicht nur die Stadt Berlin gefragt. Auch seitens der Regierung müssen jetzt endlich Zeichen für eine neue Mobilität gesetzt werden. Viele Automobilhersteller sehen ihren Erstmarkt nicht in Deutschland. Leider ist zu befürchten, dass die deutsche Politik die Chancen auf dem Zukunftsmarkt Mobilität aufs Spiel setzt.

Quelle: www.elektroauto-start.de